„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt…“
Mit diesem Auszug aus dem Grundgesetz haben wir bereits den Kerngedanken der offenen Arbeit in der Kita eingefangen.
Ein offenes Konzept stellt die freie Entfaltung der Persönlichkeit von Kindern in den Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit. Die Kinder erhalten in Einrichtungen mit einem offenen Konzept viele Freiräume, um sich selbst weiterzuentwickeln.
Ein offenes Konzept: Freiheit beginnt im Kopf
Bevor wir uns die Details des offenen Konzeptes ansehen, ist eines ganz wichtig: Offene Arbeit funktioniert nur dann in einer Kita, wenn die ErzieherInnen diese Form der Arbeit auch tatsächlich unterstützen und das Menschenbild dazu leben.
Die offene Pädagogik erkennt Kinder als eigenständige Persönlichkeiten an, die von Natur aus neugierig und motiviert sind. Sie werden als Experten für sich und ihre Entwicklung angesehen.
Das bedeutet für das Fachpersonal vor allem eines: loslassen. Loslassen von festen Vorgaben, Angeboten, Vorstellungen und Notwendigkeiten. Die Kinder sollen in einer offenen Einrichtung nahezu immer selbst entscheiden können, welche Angebote sie annehmen und welche nicht.
Die ErzieherInnen sind daher keine Leitpersonen, sondern eher Ankerpunkte. Sie stehen als Ansprechpartner zur Verfügung und unterstützen die Kinder in ihrer freien Entwicklung. Sie machen aber keine festen Vorgaben zu Programmpunkten oder Förderangeboten.
Lesetipp:
Montessori Kindergarten: Überblick zu einem besonderen Konzept
„Hilf mir, es selbst zu tun.“ Dieser Satz von Maria Montessori drückt den Kern der Montessori Pädagogik aus, welche seit vielen Jahren in pädagogischen Einrichtungen Anwendung findet. Mal nur am Rande, in speziellen Angeboten, bei der Verwendung von Lernmaterialien oder aber als Hauptaugenmerk des pädagogischen Konzeptes der Einrichtung. Ein sogenannter […]
Der Alltag mit dem offenen Konzept: Strukturierter Freiraum
Wie kannst du dir nun den Alltag in einer offenen Kindereinrichtung vorstellen? Die Kinder machen, was sie wollen und die ErzieherInnen sehen dabei nur zu?
Natürlich nicht! Auch bei der offenen Arbeit im Kindergarten ist eine Struktur notwendig. Diese setzt allerdings nur den Rahmen und lässt innerhalb dieses Rahmens viel Spielraum für die Kinder.
So gibt es natürlich feste Zeiten für die Frühstückspause und das Mittagessen und auch der eventuelle Mittagsschlaf wird strukturiert. In allen Zeiten darüber hinaus steht jedoch die freie Wahl im Mittelpunkt.
Offene Arbeit in der Kita findet daher in aller Regel nicht in festen pädagogischen Gruppen statt. Die meisten offenen Konzepte sehen eine Arbeit mit Funktionsräumen vor.
Dies bedeutet, dass die Kinder nicht innerhalb einer festen Gruppe von ihren BezugserzieherInnen betreut werden, sondern in der Einrichtung frei wählen können, wie sie die Zeit im Freispiel verbringen.
- Kreativraum
- Ruhe- und Erholungsraum
- Bewegungsraum
- Musikraum
- Experimentierraum
- Spiel- und Bauraum
- Spielbereich im Freien
In den Freispielzeiten kann jedes Kind nun selbst entscheiden, wann es in welchem Funktionsraum mit welchen Kindern spielt, lernt oder Angebote annimmt.
Die Rolle der pädagogischen Fachkraft im Rahmen der offenen Arbeit besteht darin, in den einzelnen Räumen als Aufsicht und Ansprechperson zur fungieren und individuelle Förderangebote zur Verfügung zu stellen.
So bietet beispielsweise ein Erzieher im Bewegungsraum einen Hindernisparcours an, während eine Erzieherin im Kreativraum ein Bastelangebot stellt. Jedes Kind kann aber frei entscheiden, ob es ein Angebot annimmt. Es kann auch für sich bastelt oder mit einer Freundin durch den Bewegungsraum toben, ohne den Parcours in Anspruch zu nehmen.
Besonders wichtig beim offenen Konzept ist auch, dass innerhalb des Angebotes für die Kinder Freiraum zur Verfügung steht. Wenn ein Kind nur den halben Parcours absolvieren möchte, ist das in Ordnung. Genauso, wenn ein Kind beim Bastelangebot variiert und den Osterhasen in schwarz gestaltet.
Vorteile des offenen Konzepts: Deshalb profitieren unsere Kinder
Ganz klar: Kindereinrichtungen mit offener Arbeit haben auch so ihre Nachteile.
Eltern sorgen sich häufig, ob die Kinder bei der offenen Arbeit genug gefördert werden, um den Übergang in die Grundschule gut meistern zu können. Auch das Fehlen einer festen Bezugsperson verunsichert manche Eltern und es kann zu Anpassungsschwierigkeiten bei den Kindern kommen.
Dagegen gibt es jedoch auch viele Vorteile, die für die offene Arbeit in Kindertageseinrichtungen sprechen. Diese sind so überzeugend, dass die offene Arbeit in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnt und das offene Konzept immer beliebter machen.
Selbstständigkeit und Selbstvertrauen sind wichtige Förderziele
Das Fehlen der klar strukturierten und gezielten Förderung verunsichert Eltern gelegentlich beim offenen Konzept einer Kita.
Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass das Erlangen von Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein wichtige Förderziele sind. Kinder, die selbstsicher und selbstständig in die Grundschule eintreten, zeigen in der Regel einen sehr guten Lernerfolg im Laufe der Grundschulzeit.
Das teiloffene Konzept für die Kita: So viel Freiraum wie möglich
Neben dem offenen und dem klassischen Konzept, gibt es in Kitas auch das teiloffene Angebot. Bei dieser Variante gibt es klare Regeln und Strukturen, die jedoch so oft wie möglich durch frei gestaltbare Freispielzeiten nach Funktionsräumen ergänzt werden.
Bei teiloffenen Einrichtungen gibt es also feste Angebote in festen Alltagsstrukturen, an denen jeder beteiligt wird. So oft wie möglich gibt es aber auch Zeiten, zu denen die Kinder völlig frei und selbstbestimmt entscheiden dürfen, welche Räume und Angebote sie nutzen.
Wenn du dir nicht sicher bist, ob das offene Konzept für dich und dein Kind das Richtige ist, dann vereinbare in der Kita einen Besuchstag.
An diesem Tag lernst du praktisch kennen, wie so ein Tag im offenen Kindergarten abläuft und wie die Kinder damit umgehen. Danach kannst du sicher besser fühlen und entscheiden, wie du zur offenen Arbeit in Kindertagesstätten stehst.
Das offene Konzept zu Hause? Viel Zeit für das Freispiel
Alle Eltern wollen das Beste für ihr Kind. Dabei sollten wir als Eltern aber nie vergessen, dass unsere Kinder neben gezielter Förderung in Sport, Musik und Schule auch viel Zeit für sich selbst brauchen.
Für das Freispiel, Entspannung, Langeweile und daraus entstehende eigene Kreativität. Leider gehen diese Zeiten im Alltag oft unter, sodass die Kinder mit Terminen überschüttet werden.
Deshalb ist mein dringender Appell: Wir alle sollten unseren Kindern viel mehr offenes Konzept zu Hause bieten.
Mehr Zeit für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, damit die Kinder überhaupt herausfinden können, wer sie sind und was ihnen guttut. Wo ihre Stärken und Schwächen liegen und wie sie es schaffen, sich selbst zu regulieren.
Damit Kinder aus der freien Zeit und der Langeweile heraus, selbst Ideen entwickeln und herausfinden, was sie gerade brauchen.
„Es wird Zeit, unsere Freizeit wieder zur freien Zeit zu machen.“ (Ernst Festl)
Weiterführende Informationen zum Thema
- Ein offenes Kita-Konzept ist nicht immer gut fürs Kind
- Nicht ganz dicht! – „Fast“- offene Arbeit mit Gruppengefühl
- Offene Arbeit – Chancen und Grenzen
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