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Bitte nicht schreien!

Erziehen ohne Schimpfen: 5 einfache Tipps zur schimpffreien Erziehung

Zuletzt aktualisiert

1. Dezember 2022

Kategorie

Familienleben

Erziehen-ohne-Schimpfen

Erst wenn du mit deinem Kind schimpfst, bewegt es sich und macht das, was du von ihm verlangst?

Du würdest zwar gerne aufs Schimpfen verzichten, weißt aber nicht wie? Weil ohne Schimpfen dein Kind dir auf der Nase herumtanzt? Du bist dir deshalb sicher: So ganz ohne Schimpfen kann ein Zusammenleben nicht funktionieren.

Doch! Es kann funktionieren. Mit ein paar Tipps und Ideen kannst du lernen, wie eine Erziehung ohne Schimpfen klappt. Wie genau das geht, warum das überhaupt wichtig ist und worauf du dabei achten solltest, erfährst du in diesem Artikel.

Was bedeutet Erziehen ohne Schimpfen?

Erziehen ohne Schimpfen ist dasselbe wie gewaltfreie Erziehung. Bei dieser Erziehung wird komplett auf Gewalt verzichtet. Zu Gewalt zählt jedoch nicht nur körperliche Gewalt, sondern auch seelische und verbale Gewalt.

  • Körperliche Gewalt umfasst: Schlagen, schütteln, stoßen, treten, grob anpacken, an den Haaren ziehen, etc.
  • Verbale Gewalt umfasst: immer wiederkehrende Schuldzuweisungen, Absprechen von Gefühlen, lächerlich machen, kritisieren, manipulieren, herumnörgeln, drohen, schimpfen, Erniedrigung, etc.
  • Seelische Gewalt umfasst: Liebesentzug, Auszeiten, mutwillig Angst machen, Einschüchterungen, Ausgrenzung, stille Verachtung, etc.

Wie du siehst, hat Gewalt in der Erziehung viele unterschiedliche Gesichter und zeigt sich in unterschiedlichen Formen.

Ein Verzicht auf jegliche Gewalt in der Erziehung ist unabdingbar für die kindliche Entwicklung und sollte die Grundlage jeder Erziehung sein.

Zum Glück ist körperliche Gewalt nicht mehr gesellschaftsfähig, wie es noch vor einigen Jahren war, als eine Ohrfeige oder der Klaps auf den Hintern noch zum normalen Umgang zählte.

Dennoch passiert es, dass Eltern in kleinen alltäglichen Handlungen, Gesten, Mimiken, nicht gewaltfrei sind und Kinder darunter leiden.

Denn jede Form von Gewalt hat Folgen…

“Mir hat’s doch auch nicht geschadet…” – Warum Erziehen ohne Schreien wichtig ist

Schimpfen, Schreien, Drohen – alle Formen der Gewalt – hinterlassen Spuren in den Kinderseelen. Gewalterfahrungen in der Kindheit können zu unterschiedlichen Herausforderungen im Erwachsenenleben führen, wie z.B.:

  • Mangel an Selbstwert
  • Verlustängste
  • Bindungsstörungen
  • Angststörungen
  • Verhaltensprobleme wie aggressives Verhalten, depressive Symptome, Ängste
  • Konzentrationsschwierigkeiten, etc.

Wie stark die Auswirkungen sich bei einem Kind zeigen, hängt davon ab, wie und wie oft Gewalt erfahren wird, wie resilient das Kind bereits ist, wie alt es ist und welche anderen sozialen Unterstützungsmöglichkeiten bzw. Belastungen das Kind hat.

Im Gegenzug dazu ist eine schimpffreie Erziehung in vielerlei Hinsicht enorm förderlich für dein Kind.

Durch eine gewalt- und schimpffreie Begleitung erfährt dein Kind, dass es bedingungslos geliebt ist.

Dass es seine Gefühle und Bedürfnisse äußern darf. Dass es sich sicher fühlen kann. Wichtige Grundlagen, um die Gehirnreife zu fördern und eigene Potentiale zu entwickeln.

Wie gelingt Erziehen ohne Schimpfen – Die 5 wichtigsten Praxistipps

Wie leicht dir die Umsetzung gelingen mag, hängt stark mit deinen eigenen Kindheitserfahrungen zusammen.

Diese Erfahrungen haben dich geprägt und vor allem in Stresssituationen handelst du instinktiv aus diesen Erfahrungen heraus.

Das Gute jedoch: Du kannst es jederzeit ändern. Schimpffreie Erziehung ist ein stetiger Lern- und Veränderungsprozess.

Deshalb sei nicht zu streng mit dir selbst, wenn es trotz deiner Bemühungen ab und zu vorkommt, dass du die Fassung verlierst. Deshalb bist du nicht gleich eine schlechte Mutter oder ein schlechter Vater.

Wichtig ist, dass du aus deinen Fehlern lernst und dranbleibst und dich selbst immer wieder reflektierst.

Damit es dir leichter gelingt, schimpffrei zu werden, habe ich für dich die 5 wichtigsten Tipps zusammengestellt.

1. Achte auf dich selbst

Wenn es dir selbst nicht gut geht, gerätst du viel schneller in eine Stresssituation. Fühlst du dich gestresst, greift dein Gehirn auf die Verhaltensmuster zurück, die bekannt und vertraut sind. Nämlich auf die, die du bereits in deiner Kindheit erfahren hast.

Die meisten von uns wurden nicht schimpf- und gewaltfrei erzogen und somit sitzen verletzende Worte und Handlungen tief in uns drin, die in stressigen Situationen automatisch heraussprudeln.

Vermeide deshalb so gut es geht Stress, hole dir Unterstützung, arbeite an deinem eigenen Selbstwert, sorge gut für dich und tanke ausreichend Kraft.

Es geht nicht darum, sich von einem Urlaub zum nächsten zu retten. Sondern es geht vielmehr darum, im Alltag kleine Erholungsoasen für sich zu finden. Beispiele können sein:

Kleinigkeiten im Alltag können so zu wichtigen Kraftquellen für dich werden. Probiere immer wieder etwas aus.

2. Lasse Gefühle zu

Zeigt dein Kind starke Gefühle, verstehst du manchmal einfach nicht, warum dein Kind diesen Gefühlsausbruch hat. Du wirst dadurch hilflos und selbst wütend. Aus der Wut heraus fängst du zu schimpfen an und willst mit Druck, dass dein Kind zur Vernunft kommt und sich wieder beruhigt.

Doch so funktioniert es nicht. Kann es auch gar nicht, denn dein Kind hat noch gar nicht die kognitiven Möglichkeiten, mit starken Gefühlen umzugehen.

Deshalb braucht es dich. Benenne die Gefühle deines Kindes und versuche herauszufinden, was hinter dem Gefühl steckt. Gib ihm zu verstehen, dass alle Gefühle willkommen sind und dass du bei deinem Kind bleibst, bis die heftigen Gefühle wieder abflauen.

Ist dein Kind so aufgebracht, dass es dich körperlich oder verbal angreift, ist der nächste Tipp wichtig…

3. Setze Grenzen mit liebevoller Klarheit

Finde heraus, was dir wirklich wichtig ist. Wenn dir etwas wirklich wichtig ist, dann kannst du deine persönliche Grenze viel besser kommunizieren und verkörpern.

Also wenn du etwas sagst, was dir vielleicht gar nicht wirklich wichtig ist oder nur “scheinwichtig” (weil es um dein Ansehen nach außen geht / weil du dich beobachtet fühlst und glaubst die anderen denken, du bist eine schlechte Mutter oder ein schlechter Vater / oder Zukunftsängste in deinem Kopf herumschwirren) dann kommen nur 20 % beim Kind an und das reicht nicht, dass es wirklich deine persönliche Grenze respektiert.

Ein typisches Beispiel hierfür:

Dein Kind will Süßigkeiten kurz vor dem Abendessen. Entscheide jetzt für dich, ob es dir wirklich wichtig ist, dass dein Kind nichts mehr nascht oder ob vielleicht ein Gummibärchen für dich noch okay wäre.

Erst wenn du dir ganz sicher bist, was dir wichtig ist, kannst du die Situation ohne Schimpfen bspw. wie folgt lösen:

  • Versuche, die Gefühle deines Kindes zu verstehen und auszudrücken: “Ich sehe, du willst unbedingt die Gummibärchen, weil du sie so gerne isst und offenbar schon Hunger hast.”
  • Beschreibe deine Gefühle: “Ich bin unruhig, weil wir bald Abendessen und ich Sorge habe, dass du beim Abendessen keinen Hunger mehr hast, wenn du jetzt die Gummibärchen isst.”
  • Beschreibe deine Bedürfnisse: “Mir ist wichtig, dass du so kurz vorm Abendessen nichts mehr nascht.”
  • Beschreibe deinen Wunsch und findet eine Lösung, die für euch beide ok ist: “Ich bleib dabei, es gibt keine Naschis. Wie wäre es, wenn wir jetzt mit dem Abendessen starten und wir XY vorbereiten, denn ich weiß, das schmeckt dir so gut…Bist du damit einverstanden?”

4. Stärke deine Beziehung zum Kind

Eine gute Eltern-Kind-Beziehung macht das Zusammenleben leichter, denn dein Kind kommt weniger oft in die Gegenwehr und kann viel schneller mit dir kooperieren.

Leider vergessen wir im hektischen Alltag, die Beziehung zum Kind aktiv zu fördern. Nimm dir deshalb täglich ein paar Minuten ganz bewusst Zeit, um bspw.

  • ein lustiges Spiel mit deinem Kind zu spielen
  • deinem Kind lange in die Augen zu sehen
  • dein Kind freudig anzulächeln und ermutigend zuzunicken
  • deinem Kind deine Liebe zu zeigen
  • Kuscheleinheiten zu genießen,
  • gemeinsame Glücksmomente zu sammeln, etc.

5. Mache Fehler wieder gut

Mein letzter Tipp: Solltest du dein Kind beschimpft oder grob behandelt haben, kannst du es nicht mehr rückgängig machen.

Du kannst aber die Verantwortung für deine Handlung übernehmen.

Dadurch reparierst du wieder, was du durch das Schimpfen kaputt gemacht hast. Deine Entschuldigung sollte sich lediglich auf dich beziehen und deinem Kind keine Schuld für dein Ausrasten geben.

Deshalb entschuldige dich nicht so:

„Tut mir leid, dass ich dich angeschrien habe, ABER du …”

…sondern, versuche es lieber so:

“Tut mir leid, dass ich so laut geworden bin. Die Wut ist gerade mit mir durchgegangen, es war nicht okay von mir, dass ich dich angeschrien hab. Bitte verzeih mir.”

Dadurch zeigst du, dass du einerseits menschlich bist und auch du Fehler machst und andererseits vermittelst du deinem Kind, dass eure Beziehung stärker ist als jedes Verhalten.

So, das waren meine 5 besten Tipps für eine schimpffreie Erziehung. Sei bitte geduldig und liebevoll mit dir selbst, wenn nicht alles gleich auf Anhieb so läuft, wie du es dir wünscht. Lass dich nicht verunsichern.

Sei gewiss: Mit einer schimpffreien Erziehung wird dein Familienleben ruhiger und harmonischer.

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Zuletzt aktualisiert am 7. Februar 2023 um 17:16 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr. / *Affiliate Link, Werbung

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