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Hochbegabung bei Kleinkindern erkennen und fördern

Zuletzt aktualisiert

7. September 2022

Kategorie

Kind

Hochbegabung bei Kleinkindern und Kindern

Charlotta kann mit einem Jahr sprechen – fließend und in zwei Sprachen. Markus löst mit nur drei Jahren mathematische Formeln. Beide Kinder sind hochbegabt und bringen mit ihren intellektuellen Fähigkeiten ihr Umfeld zum Staunen.

Doch nicht immer ist die Hochbegabung bei Kleinkindern derart offenkundig. Außerordentliche Talente schlummern in etwa zwei von hundert Kindern und Jugendlichen. Je eher wir hochbegabte Kinder entdecken, desto besser können wir sie fördern.

Wir verraten dir, wie sich eine Hochbegabung beim Kleinkind äußern kann und wie du deinen Nachwuchs entsprechend förderst.

Hochbegabung bei Kindern: Das Wichtigste in Kürze

Was ist Hochbegabung bei Kleinkindern?

Obwohl etwa zwei Prozent der Bevölkerung als hochbegabt gelten, gibt es bis heute keine einheitliche Definition für den Begriff Hochbegabung.

Experten sind sich aber einig, dass eine Hochbegabung bei Kindern mit einer äußerst überdurchschnittlichen intellektuellen Leistungsfähigkeit einhergeht.

Der Nachwuchs besitzt dann nicht nur eine hohe Denkfähigkeit, sondern ist auch in der Lage, komplexe Probleme in jungen Jahren zu lösen. Neben der allgemeinen Intelligenz zeichnet sich eine Hochbegabung bei Kindern dadurch aus, dass spezifische Intelligenzfaktoren vorliegen.

Hochbegabte Kleinkinder haben zum Beispiel ein besonderes Geschick im Erlernen von Sprachen oder besitzen ein komplexes räumlich-abstraktes Verständnis.

Hochbegabte Kinder erkennen – nicht immer einfach

Hochbegabte Kleinkinder zu erkennen, ist gar nicht so einfach. Zwar sind sie Gleichaltrigen in vielen Dingen voraus, zeigen aber häufig nicht die klassischen Anzeichen. Vielleicht denkst auch du bei einem hochbegabten Kind an einen grandiosen Klavierspieler oder einen jungen Picasso.

Nicht selten zeigen sich selbst die Schlausten unter uns aber von einer ganz anderen Seite – sie ziehen sich zurück oder werden von anderen als dickköpfig beschrieben. Mehr zu Verhaltensauffälligkeiten bei hochbegabten Kleinkindern verrate ich dir später.

Lass uns zunächst einmal genauer ansehen, warum hochbegabte Kleinkinder so schwierig zu erkennen sind:

1. Eltern fehlt es an Vergleichsmöglichkeiten

Hand aufs Herz: Wir alle haben in den meisten Fällen nur Augen für unseren eigenen Nachwuchs, und das ist auch gut so. Wir beobachten, wie sich unser eigenes Kind entwickelt, und halten gewisse Dinge für normal.

Dass Lukas mit zwei Jahren bis zehn zählen oder mit drei Jahren seinen Namen schreiben konnte, hielt seine Mutter für üblich, da ihr schlichtweg der Vergleich fehlte.

Auch andere Anzeichen für eine Hochbegabung konnte sie nicht deuten, denn schließlich erklärt uns niemand im Vorhinein, wodurch sich hochbegabte Kinder auszeichnen.

2. Erziehern fehlt es oft an Schulung

Viele Erzieher merken, wenn Kinder im Vergleich zu anderen Gleichaltrigen besondere Talente oder außerordentliche Denkfähigkeiten besitzen. In der Regel sprechen sie dann Eltern darauf an und machen Vorschläge für Fördermöglichkeiten. In den meisten Bundesländern erhalten Erzieher aber keine ausreichende Schulung, um eine Hochbegabung im Kindergartenalltag zu erkennen.

3. Hochbegabte Kinder sind manchmal ein Rätsel

Hochbegabte Kinder werden von gleichaltrigen häufig als anders empfunden. Nicht selten werden sie deshalb ausgeschlossen. Auch die Kinder selbst können sich zurückziehen, wenn sie eine Diskrepanz zwischen sich und ihren Altersgenossen bemerken.

Sie können sich nicht erklären, warum sie anders denken und fühlen – ihnen setzt es zu, dass sie scheinbar unbeliebt sind. Wenn sich Kinder nicht angenommen fühlen, können sie Auffälligkeiten im sozialen Bereich zeigen. Erzieher können das dann als soziale Defizite interpretieren, die Hochbegabung bleibt weiterhin unentdeckt.

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Ist mein Kind hochbegabt?

Natürlich ist jedes Kind begabt, doch wann genau ist es hochbegabt und wer stellt das fest? In der Literatur werden Hochbegabten gewisse Kerneigenschaften zugeordnet.

Dazu zählen:

  • Lernbegierde: Hochbegabte Kinder haben einen großen inneren Antrieb sich Wissen anzueignen und sich Erfolgserlebnisse zu verschaffen.
  • Perfektionismus: Kleinkinder, die hochbegabt sind, möchten alles sehr detailliert wissen und legen größten Wert darauf, dass sie die Arbeit, zum Beispiel ein Bild, exakt anfertigen.
  • Kreativität: Lösungswege neu und verschieden zu gestalten, genau darauf sind hochbegabte Kinder besonders bedacht.
  • Persönliches Engagement: Wenn hochbegabte Kinder etwas machen, machen sie das mit ganzem Herzen – sie bringen viele Emotionen und Empathie mit ein.
  • Idealismus: Ein ausgeprägtes moralisches Empfinden zeichnet Hochbegabte aus. Diese Kerneigenschaft zeigt sich aber erst später und noch nicht im Kleinkindalter.

Der Hochbegabung auf der Spur – beobachte!

Hochbegabung erkennen bei Kindern

Beobachte dein Kind aufmerksam – vielleicht fertigst du sogar ein Tagebuch an, in dem du deine Beobachtungen festhältst.

Bei einem späteren Termin mit einem Experten kannst du deine Beobachtungen so im Handumdrehen mitteilen und gemeinsam mit dem Experten analysieren.

Folgende Anzeichen für Hochbegabung können dir im Alltag begegnen:

  • dein Kind kann mit weniger als zehn Monaten laufen.
  • dein Nachwuchs setzt sich schon im Alter von drei Jahren mit Stärken und Schwächen seiner Leistungsfähigkeit auseinander.
  • dein Kind kann schon sehr früh lesen und zeigt ein besonderes Interesse an Zahlen oder Buchstaben.
  • dein Nachwuchs verfügt über einen besonders reichen Wortschatz.
  • dein Kind versetzt sich in andere hinein und hinterfragt ihr Verhalten.
  • dein Nachwuchs langweilt sich schnell.
  • dein Kind zeigt Interesse daran, altersuntypische Aufgaben zu lösen.
  • dein Nachwuchs überspringt Entwicklungsphasen, zum Beispiel das Krabbeln.
  • dein Kind sucht aktiv die Gesellschaft von älteren Kindern und Erwachsenen.

Gibt es einen Intelligenztest für Kinder?

Ein Intelligenztest ist die einzige Möglichkeit, eine Hochbegabung zuverlässig zu ermitteln. Hier kommt es allerdings auf das Alter an. Die Kleinkindspanne reicht definitionsgemäß vom Beginn des zweiten bis zum vollendeten dritten Lebensjahr.

Recht zuverlässige Aussagen ermöglichen Intelligenztests erst bei Kindern ab fünf Jahren, aber auch sie liefern oft keine dauerhaft gültigen Ergebnisse.

Das liegt daran, dass die Entwicklung von kleineren Kindern schnell und schubweise verläuft. Außerdem beeinflusst die Umwelt die Entwicklung stark.

Erst mit etwa acht bis zehn Jahren hat sich die Entwicklung von Kindern insoweit stabilisiert, dass Intelligenztests verlässlichere Ergebnisse liefern.

Das bedeutet aber nicht, dass du deinen Nachwuchs nicht im Kleinkindalter testen lassen kannst.
Es gibt Intelligenztests, die Experten bereits im Alter von zwei bis drei Jahren durchführen.

Aufgrund der noch anstehenden Entwicklungsschritte kann es sinnvoll sein, den Intelligenztest zu einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen.

Achtung! Ein Intelligenztest ist nicht zwingend erforderlich. Er eignet sich vor allem dann, wenn Unsicherheiten bestehen. Hast du das Gefühl, dein Kind ist außerordentlich begabt, die Leistungen im Kindergarten sprechen aber eine andere Sprache? Dann kann ein Intelligenztest Licht ins Dunkel bringen.

Hochbegabung und Psychische Probleme

Interessant ist, dass hochbegabte Kinder nicht immer durch ihre Intelligenz auffallen, sondern auch manchmal durch unerwünschtes Verhalten.

Mitmenschen empfinden sie gelegentlich als stur, ungeduldig, besserwisserisch, unwirsch oder außerstande, Kritik anzunehmen. Auch das kann Ausdruck von Hochbegabung sein.

Dazu möchte ich dir ein kleines Beispiel liefern.

Emil ist hochbegabt, das ist seinen Eltern und den Erziehern aber noch nicht bewusst. Seine Betreuungspersonen beschreiben ihn als Rebell. Er widersetzt sich gerne Vorschriften und reagiert äußerst genervt, wenn seine Kindergartenkameraden nicht so schnell beim Anziehen sind wie er.

Sein Verhalten führen die Erzieher auf eine mangelnde Anpassungsfähigkeit zurück. Das von anderen als dickköpfig beschriebenes Naturell ist aber mehr Ausdruck seiner schnellen Informationsaufnahme- und Verarbeitung sowie seiner intellektuellen Neugier.

Eine überdurchschnittliche Intelligenz kann also Symptome hervorrufen, die eher unerwünscht sind. Eine Hochbegabung beim Kind kann auch zu Aggressionen führen, zum Beispiel dann, wenn sich der Nachwuchs dauerhaft unterfordert oder nicht angenommen fühlt. ADHS und hochbegabt oder Hochbegabung und Angststörungen können ebenfalls gemeinsam auftreten.

Ein hochbegabtes Kind richtig fördern

Hochbegabtes Kind fördern

Viele Menschen nehmen an, dass hochbegabte Kinder allein durch ihre außerordentliche Intelligenz in der Lage sind, sich jegliches Wissen selbst anzueignen. Dem ist aber nicht so.

Ein Kleinkind, das hochbegabt ist, benötigt eine gezielte Förderung.

Lernt es die gleichen Fertigkeiten, in dem gleichen Tempo wie Gleichaltrige, bleiben die Denk- und Gedächtnisfähigkeiten größtenteils ungenutzt. Daraus können sich später Problematiken ergeben. Vor allem im regulären Schulsystem fühlen sich Hochbegabte dann demotiviert, nicht herausgefordert und gelangweilt.

Fördermöglichkeiten durch Eltern und Kindergärten

Sowohl Eltern als auch Kindergärten nehmen eine entscheidende Rolle bei der Förderung hochbegabter Kinder ein. Zeigen Kleinkinder Anzeichen einer Hochbegabung, können sie individuell auf den Nachwuchs eingehen.

1. Sonderaufgaben: Im Kindergarten oder Zuhause sollte dein Kind Sonderaufgaben bekommen, die es herausfordern. Wie wäre es beispielsweise mit Knobelaufgaben? Eine Möglichkeit sind auch Hefte, die eigentlich für den Schulanfang gedacht sind.

Lasse das jeweils vorgesehene Alter dabei außer Acht und passe die Aufgaben an die Denkfähigkeit deines Kindes an. Ein sogenannter Vorschulblock bietet ein Sammelsurium spannender Aufgaben, bei denen dein Nachwuchs mit Buchstaben und Zahlen jonglieren kann.

Damit kannst du dir einen optimalen Überblick über die Fähigkeiten deines Kindes verschaffen. Nach und nach kannst du die Aufgaben auf Wunsch deines Nachwuchses steigern. Wenn dein Kind mag, kann es die Hefte auch mit in den Kindergarten nehmen.

2. Abwechslungsreiche Lernmaterialien: Dein Kind ist auf deine Mithilfe angewiesen, um sein kognitives Potenzial voll ausschöpfen zu können. Ermögliche deinem Nachwuchs Lernerfolge. Dabei helfen abwechslungsreiche Lernmaterialien. Neben dem bereits erwähnten Heften gibt es Onlineangebote oder spannende Erlebnisse in der Natur.

Besucht gemeinsam einen Barfußpfad oder eine Wildblumenwiese. Nehmt euch die passenden Broschüren und Insektengläser* mit – erlebt gemeinsam, welches Wissen die Natur bereithält.

3. Treffen mit anderen Hochbegabten: Ein Austausch mit anderen hochbegabten Kindern kann deinem Nachwuchs das Gefühl vermitteln, unter Gleichgesinnten zu sein. Hier kann dein Kind sich mit anderen über Themen unterhalten, die es beschäftigt oder gemeinsam Knobelaufgaben lösen. Der Austausch mit Eltern hochbegabter Kinder tut bestimmt auch dir gut.

Anlaufstellen und Informationen für Eltern

Fällt eine Hochbegabung im Kindergarten oder schon eher auf, ist die Unsicherheit oft groß. Eltern suchen nach einer Erklärung und nach Möglichkeiten zur individuellen Förderung.

Als erster Ansprechpartner kommt der Kinderarzt infrage. Du kannst dich aber auch direkt an einen Kinderpsychologen oder an eine staatliche Einrichtung wie eine Familienberatungsstelle wenden. Dort erhältst du Informationen zu einem möglichen Kleinkind-Test bei Hochbegabung, Tipps für den Alltag und zur Förderung.


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