Elterngeld, Ratgeber
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Elterngeld – Wer bekommt wann wie viel

Elterngeld und Elternzeit werden seit dem 1. Januar 2007 im Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz geregelt. Es sind zwei verschiedene Leistungen. Elternzeit meldet man bei seinem aktuellen Arbeitgeber an. Elterngeld ist eine staatliche Leistung, die man von den zuständigen Elterngeldstellen bezieht. Wer wann wie viel Elterngeld bekommt zeige ich euch im folgenden Post.

Wer bekommt Elterngeld?

Vier Punkte müssen erfüllt sein, damit Mütter und Väter Elterngeld beanspruchen können:

1. Sie müssen ihre Kinder nach der Geburt selbst betreuen
2. Sie leben mit ihnen in einem Haushalt
3. Sie arbeiten nicht mehr als 30 Stunden in der Woche (Ausnahme: Studierende und Auszubildende bekommen Elterngeld auch unabhängig von der Wochenstundenanzahl)
4. Sie haben ihren Wohnsitz in Deutschland

(Unter bestimmten Voraussetzungen sind, neben den leiblichen Eltern, weitere Personen elterngeldberechtigt. Beispielsweise können Adoptiveltern oder auch Verwandte bis zum dritten Grad Elterngeld erhalten.)

Im Gegensatz zur Elternzeit, die eine abhängige Beschäftigung voraussetzt und vom Arbeitgeber verlangt werden kann, ist es für den Bezug von Elterngeld unerheblich, ob überhaupt und wie der/die Antragssteller/-in vor der Geburt Geld verdient hat.

So haben Mütter und Väter, die vorher angestellt waren, als Beamte beschäftigt oder selbstständig ihr Geld verdienten, Anspruch auf Elterngeld. Aber auch Studierende, Arbeitslose sowie Hausfrauen/ -männer haben ein Anrecht auf die staatliche Leistung.

Das heißt im Umkehrschluss, dass Elternzeit keine zwingende Voraussetzung für den Bezug von Elterngeld ist! Normalerweise muss man sie aber dennoch in Anspruch nehmen, da eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit für den Elterngeldbezug notwendig ist.

Elterngeld als Lohnersatzleistung. Wie viel bekomme ich?

Das Elterngeld ist eine Lohnersatzleistung für das nicht mehr verfügbare monatliche Nettoeinkommen. Gezahlt werden 65 bis 67 Prozent des jeweiligen Nettoeinkommens vor der Geburt. Die Zahlung ist folgendermaßen gestaffelt:

– monatlich zwischen 1000 Euro und 1200 Euro = 67 Prozent
– monatlich bis 1220 Euro = 66 Prozent
– monatlich 1240 Euro und mehr = 65 Prozent

Minimum beträgt das Elterngeld 300 Euro, maximal sind 1800 Euro möglich.

So wird das Nettoeinkommen vor der Geburt für das Elterngeld angerechnet

Für nichtselbstständig Erwerbstätige ist das monatliche steuerpflichtige Bruttoerwerbseinkommen der letzten zwölf Kalendermonate vor der Geburt entscheidend für die Höhe des Elterngeldes. Dazu zählen alle Einkünfte aus Haupt- und Nebenbeschäftigungen bis hin zum Nebenjob. Auch Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall werden mit berechnet.

Einmalzahlungen wie Abfindungen und Prämien sowie jegliche steuerfreien Einnahmen bleiben dagegen unberücksichtigt.

Bei Selbstständigen dient der Gewinn laut Steuerbescheid des letzten abgeschlossenen Veranlagungszeitraums vor der Geburt als Berechnungsgrundlage.

Von dem ermittelten Bruttoeinkommen wird von der Elterngeldstelle dann in einem vereinfachten Verfahren Steuern und Sozialabgaben abgezogen. Das so ermittelte Nettoeinkommen ist die Grundlage für die Berechnung der Höhe des Elterngeldes.

Besonderheiten: 1. Liegt das monatlich e Nettoeinkommen unter 1000 Euro, wird das Elterngeld von 67 Prozent auf bis zu 100 Prozent erhöht. Genauer: Je 2 Euro unterhalb 1000 Euro Nettoeinkommen, steigt das Elterngeld um 0,1 Prozent.

2. Spitzenverdiener (mehr als 500.000 Euro gemeinsam zu versteuerndes Einkommen / Alleinerziehende mehr als 250.000 Euro) haben keinen Anspruch auf Elterngeld.

3. Entgeltersatzleistungen, wie bspw. Arbeitslosengeld, Krankengeld, Kurzarbeitergeld und Renten, aber auch BAföG, Stipendien oder Arbeitslosengeld II gehören nicht zum Erwerbseinkommen. Sie fallen aus der Einkommensermittlung raus. Oder anders ausgedrückt. Die Monate gehen mit null Euro in die Berechnung ein.

Zur ersten Orientierung dient der Elterngeldrechner des BMFSSJ. Eine verbindliche Berechnung erfolgt erst durch die zuständigen Elterngeldstellen.

Tipp: Elterngeld als steuerfreie Lohnersatzleistung unterliegt dem so genannten Progressionsvorbehalt. Welche unerfreulichen Auswirkungen dies auf die Steuererklärung haben kann, ist in einem Artikel auf papa-online und in den dazugehörigen Kommentaren ausführlich beschrieben worden.

Wie lange wird Elterngeld gezahlt?

Elterngeld wird grundsätzlich für Lebensmonate des Kindes und nicht für Kalendermonate gezahlt. Zudem müssen für jeden Monat die Anspruchsvoraussetzungen, bspw. nicht mehr als 30 Wochenstunden arbeiten, erfüllt sein.

Mütter und Väter haben einen gemeinsamen Anspruch auf zusammen zwölf Monate Elterngeld. Die Mindestbezugszeit für einen Elternteil beträgt zwei Monate, höchstens können zwölf Monate Elterngeld bezogen werden.

Wenn sich die Eltern nach der Geburt gemeinsam um den Nachwuchs zu kümmern (Partnermonate), stehen ihnen sogar maximal 14 Monate Elterngeld zu (neu: Elterngeld Plus – bis zu 28 Monate Elterngeldbezug möglich). Die Elterngeldmonate können unter den Partnern frei aufgeteilt werden.

Beispiel: Häufig beanspruchen Mütter zwölf Monate und Väter zwei Monate Elterngeld. Man kann aber auch im Verhältnis sechs zu acht, sieben zu sieben, fünf zu neun usw. aufteilen.
Die Monate können nacheinander ausgezahlt werden. So erhält eine Familie maximal 14 Monate lang Elterngeld. Es ist aber auch eine gleichzeitige Auszahlung möglich. Lassen sich also bspw. Mutter und Vater jeweils sieben Monate ihres Elterngeldes in den ersten sieben Lebensmonaten auszahlen, so ist der Anspruch auch nach sieben Monaten verbraucht.

Voraussetzung für die so genannten Partnermonate ist, dass sich zugleich bei beiden Elternteilen das Einkommen für zwei Monate reduziert.

Mutterschaftsleistungen mindern Anspruch auf Elterngeld

Mutterschaftsleistungen wie zum Beispiel das Mutterschaftsgeld ersetzen das Erwerbseinkommen und dienen damit demselben Zweck wie das Elterngeld. Beide Leistungen können nicht zugleich beansprucht werden. Die zur Verfügung stehenden Elterngeldmonate reduzieren sich somit um die Anzahl der Monate, in denen Mutterschaftsleistungen bezogen wurden.

Tipp: Mutterschaftsleistungen werden taggenau berechnet. Das heißt, bei acht Wochen Mutterschutz fällt ein Monat Elterngeld ganz weg. Für den zweiten Monat kann man aber bereits für die Tage, an denen keine Mutterschaftsleistungen mehr gezahlt werden, einen Antrag auf anteilige Zahlung von Elterngeld stellen.

Der Antrag – Fristen und notwendige Unterlagen

Der Antrag auf Elterngeld kann erst nach der Geburt des Kindes gestellt werden. Er muss nicht sofort, sollte aber spätestens zum Ende des dritten Lebensmonats eingereicht werden. Denn solange zahlt der Staat rückwirkend.

Mütter und Väter stellen jeweils für sich einen Antrag. In diesem müssen sie angeben, für welche Monate sie das Elterngeld beanspruchen wollen. Wenn, wie in den meisten Fällen, beide Elternteile anspruchsberechtigt sind, müssen sie ihren Antrag vom jeweils anderen mit unterschreiben lassen.

Welches Amt am Wohnort für das Elterngeld zuständig ist und wohin der Antrag geschickt werden muss, erfährt man hier.

Für den vollständigen Antrag wird benötigt:

– Das ausgefüllte Antragsformular
– Geburtsurkunde oder Geburtsbescheinigung des Kindes
– Einkommensnachweise
– Arbeitszeitbestätigung durch den Arbeitgeber bei Teilzeitarbeit im Bezugszeitraum bzw. Erklärung über die Arbeitszeit bei selbstständiger Arbeit
– Bescheinigung über den Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld
– Bescheinigung der Krankenkasse über den Bezug von Mutterschaftsgeld

Weitere Regelungen & Besonderheiten – siehe Broschüre „Elterngeld und Elternzeit“, u.a.:

– Rechenbeispiele (Selbstständige, Nichtselbständige, Steuerfreibeträge, Steuerklassen, Teilzeitarbeit während Bezug usw.)
– Elterngeld für Alleinerziehende
– Übertragung von Partnermonaten
– Verlängerung des Auszahlungszeitraumes (gleiche Gesamtsumme kann auf 24 Monate gestreckt werden)
– Geschwisterbonus/Mehrlingsgeburten
– Berechnung des maßgeblichen Nettoeinkommens
– Einkommen während des Elterngeldbezuges
– Elterngeld und Arbeitslosengeld
– Bezug bei weiteren Sozialleistungen
– Krankenversicherung während Bezug von Elternzeit

Natürlich würde ich mich wieder über Kommentare und Ergänzungen zu diesem Artikel freuen.

(Quelle: www.bmfsfj.de – Broschüre „Elterngeld und Elternzeit. Das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz / Stand 03/14. (aktuallisierte Broschüre / Stand 06/15) Hier findet ihr nochmal alles im Detail.)

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1 Kommentare

  1. Ein ganz toller Artikel mit ganz wichtigen Informationen. Insbesondere wenn man sein erster Kind bekommt, kommen in diesem Bereich sehr viele Fragen auf. Da ist es gut sich auch hier darüber informieren zu können.

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