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Buntstifte-Test – Malen mit krebserregenden Farben

Welche Buntstifte sind die besten? Dieser Frage ist Öko-Test im aktuellen Buntstifte-Test nachgegangen. Die Antwort fiel dann auch sehr leicht. Einzig die Buntstifte von BIC* (Testsieger) und Staedler* (Gesamtergebnis: „gut“) sind empfehlenswert. Dahinter folgt ein buntes Feld schadstoffbelasteter Malstifte, die eure Kinder besser nicht in die Hand nehmen sollten. Dazu gehörten zahlreiche Buntstifte von Billiganbietern, aber auch so namhafte Marken wie Faber-Castell, Eberhard Faber, Stabilo, Lamy, Lyra oder Ökonorm.

Buntstifte-Test: Welche sind die besten?

Gute Buntstifte zum ausmalen müssen stabil sein. Gerade Kleinkinder gehen mit ihren Malstiften sehr robust um, da sie die richtige Halte- und Maltechnik noch lernen müssen.

Empfehlenswert ist es hier, mit euren Kindern die Dreipunkt-Stift-Haltung zu trainieren. Im folgenden Video gibt es dazu ein paar passende Tipps.

Die Minen der Buntstifte sollten daher starkem Druck standhalten und auch beim anspitzen nicht allzu schnell brechen. Weiterhin müssen gute Buntstifte eine ausreichende Deckkraft und Farbintensität bieten.

Buntstifte im Praxistest

Öko-Test hat im aktuellen Buntstifte-Test für den Praxistest ein auf technische Prüfungen spezialisiertes Labor beauftragt. Dieses hat zwei Erwachsene und ein Kind probemalen lassen.

Die Ergebnisse waren durchwachsen.

Bei vielen Buntstiften brach die Mine beim anspitzen mehrfach oder bröselte beim Malen unter Druck. Die Deckkraft war dagegen bei fast allen Stiften im Test in Ordnung.

Nur in drei Fällen, jeweils beim Buntstifte-Set von Tedi (Disney 16 Buntstifte „Die Eiskönigin“, Kids 15 Buntstifte) sowie beim Set von Real (Tip Buntstifte mit Sechskantform), war die Deckkraft zu gering.

Im Praxistest erreichten die Staedler Ergo Soft Farbstifte (Gesamtergebnis „gut“), die Faber-Castell Buntstifte (Gesamtergebnis „ungenügend“) sowie die Stabilo Buntstifte (Gesamtergebnis „ungenügend“) sehr gute Ergebnisse. Die Minen waren stabil, sie ließen sich gut anspitzen und auch die Deckkraft war in Ordnung.

Test auf Inhaltsstoffe: BIC „sehr gut“, Ökonorm, Stabilo & Faber-Castell Buntstifte „ungenügend“

Bezüglich enthaltener Schadstoffe brachte der Buntstifte-Test eine vielfältige Ansammlung bedenklicher Inhaltsstoffe zu Tage. Öko-Test hat hier allerdings nicht auf die Richtwerte der Spielzeugnorm zurückgegriffen.

Nach Meinung des Magazins sei diese nicht ausreichend, da bspw. das herauslösen bedenklicher Farbpigmente aus den Malstiften im Labor nur durch eine wässrige Lösung simuliert werde.

Öko-Test orientierte sich für den Buntstifte-Test richtigerweise an der realen Benutzung der Stifte im Kinderzimmer.

Buntstift-Zeichnung

Bild: Tawnyowl – Pixabay / Lizenz: Public Domain CC0

Für Kinder ist das Malen eine intensive Tätigkeit. Sie sind hoch konzentriert oder träumen ausgiebig, während sie ihre eigene kreative Welt erschaffen. Daher kauen Kinder oft auf ihren Malstiften herum, kratzen mit den Fingernägeln an den Minen oder verschlucken kleine Krümel.

Deshalb setzte Öko-Test auf die strengeren Test-Richtlinien für Textilien.

Das heißt, im Test werden Veränderungen der Farbpigmente simuliert, die durch Schweiß und Bakterien hervorgerufen werden. Nur so könne sichergestellt werden, dass „Stifte auch unter härteren Umständen keine Krebserreger freisetzen.“

Spielzeugnorm für Buntstifte nicht ausreichend!

Öko-Test und Toxikologen fordern bei Buntstiften höhere Sicherheitsstandards. Nur nach Spielzeugnorm zu prüfen, sei nicht ausreichend, so der Toxikologe Prof. Jan Hengstler in Öko-Test.

Die Menge an aromatischen Aminen hätte zwar keine wirklich großen Folgen, sei aber gerade für die empfindlichen Körper von Kindern eine vermeidbare und unnötige Belastung.

Einzig das Buntstifte-Set von BIC* erlaubte sich keinen Ausrutscher. Es war schadstofffrei. Im Praxistest zeigten die Stifte von BIC leichte Schwächen. Beim Anspitzen brach die Mine mehrfach.

Das Buntstifte-Set von Staedler* (im Praxistest „sehr gut“) erzielte im Schadstofftest noch ein „gutes“ Ergebnis. Hier führten halogenorganische Verbindungen, die u.a allergieauslösend sein können, zu einem Punktabzug.

Dreimal gab es das Ergebnis „befriedigend“. In den Buntstifte-Sets von Herlitz, Pelikan und Stylex waren halogenorganischen Verbindungen und Ersatzweichmachern der Grund für die Abwertung.

Übersicht Schadstoffe:

2,4-Toluylendiamin (aromatische Amine): krebserregend, kann möglicherweise Erbgut und Fruchtbarkeit schädigen

2,4-Xylidin (aromatische Amine): gilt als toxisch, kann Organe schädigen

Anilin (aromatische Amine): möglicherweise krebserregend, kann vermutlich genetische Defekte verursachen

o-Anisidin (aromatische Amine): als krebserregend eingestuft

o-Toluidin (aromatische Amine): als krebserregend eingestuft

Ersatzweichmacher (ATBC, TXIB): laut Umweltbundesamt ist eine sichere Bewertung des Risikos noch nicht möglich / aber bessere Alternative zu hormonwirksamen Phthalaten

Phthalate (DiBP, DBP): im Verdacht, Leber, Nieren & Fortpflanzungsorgane zu schädigen, wirken wie ein Hormon

halogenorganische Verbindungen (AOX): viele sind allergieauslösend, manche sind krebserzeugend, reichern sich in der Umwelt an

polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK): zahlreiche PAK sind krebserregend

Das jeweilige Buntstifte-Set der restlichen Anbieter kam über ein „ungenügend“ nicht hinaus. Die Liste der gefundenen Schadstoffe ist vielfältig.

Öko-Test bezeichnet die Ergebnisse als katastrophal.

Es zeigte sich wieder einmal. Der Kauf von Marken bringt keine Sicherheit. So schneiden Faber-Castell Buntstifte genauso schlecht ab wie die Buntstifte von Stabilo, Lyra, Lamy oder Ökonorm.

Es wurden u.a. Weichmacher sowie krebsverdächtige und krebserregende Farbbestandteile gefunden.

Schadstoffe in Buntstiften – Beispiele

In 14 Buntstifte-Sets wurden aromatische Amine gefunden, die möglicherweise aus preiswerten Azo-Farbstoffen freigesetzt werden.

Im Buntstifte-Set Faber-Castell 12 Colour Grip Wasservermalbare Buntstifte fanden die Tester o-Anisidin, ein aromatisches Amin, das von der Europäischen Chemikalienagentur ECHA als krebserregend eingestuft wird.

Gleiches gilt für o-Toluidin, das in den Minen von Ökonorm, Stabilo und Lyra gefunden wurde.

2,4-Toluylendiamin ist ebenfalls krebserregend und steht zudem im Verdacht, das menschliche Erbgut und die Fruchtbarkeit zu schädigen. Dieses Amin wurde in den Buntstift-Minen von Ökonorm, Müller, Real und Depesche Vertrieb nachgewiesen.

Anilin wurde in jeweils 11 getesteten Produkten gefunden. Im Buntstifte-Set von Müller, Iden, KiK, Real und Tedi waren die Werte stark erhöht.

Das toxische 2,4-Xylidin fanden die Tester in den Minen von Müller, Eberhard Faber, Faber-Castell und Ökonorm.

Das Buntstifte-Set von Müller als auch von KiK enthielt Weichmacher (Wirkung siehe grüner Kasten oben), die verhindern sollen, dass die Lacke der Stifte spröde werden.

Buntstifte-Test von Öko-Test im Überblick:

Testergebnis „sehr gut“:

BIC Kids Tropicolors 2 Buntstift* (holzfrei, da aus recyceltem Plastik, in Frankreich hergestellt)

Testergebnis „gut“:

Steadler Ergo Soft 12 Dreieckige Farbstift* (aus FSC-Holz, in Deutschland hergestellt)

Testergebnis „befriedigend“:
  • Herlitz 12 Buntstifte
  • Pelikan Triangulare Buntstifte
  • Stylex 12 Dreikant Buntstifte
Testergebnis „ungenügend“:
  • Eberhard Faber 12 Farbstifte, holzfrei
  • Faber-Castell 12 Colour Grip Wasservermalbare Buntstifte
  • Lamy Plus 12 Farbstifte
  • Lyra Groove Slim Natuaral Grip Farbstifte
  • Stabilo Greencolors
  • Ökonorm 12 Farben, Buntstifte ohne Lack
  • Buntstift-Set 3mm Mine, 12-teilig von Müller Drogeriemarkt
  • Crayola Erasable Colured Pencils von Binny & Smith
  • Disney 16 Buntstifte „Die Eiskönigin“ & Kids 15 Buntstifte von Tedi
  • Home & Paper 12x Buntstifte von KiK
  • Idena 12 Dreikantbuntstifte von Iden
  • Tip Buntstifte mit Sechskantform von Real
  • Top Model Basic Coilours Buntstifte-Set von Depesche Vertrieb
  • Vivesse 12 Buntstifte Natur + 1 Regenbogenstift von Rewe

Der Buntstifte-Test noch einmal in Kürze als Video von Öko-Test

EU verbietet Buntstifte…

…Zu dieser überzogenen Aussage sah sich die Bild-Zeitung veranlasst, nachdem die EU die Grenzwerte für Blei in Kinderspielzeug verschärft hatte. Bild bezeichnete die Neuregelung der Grenzwerte für hochtoxisches Blei als Regulierungs-Irrsinn.

Und der CSU-EU-Abgeordnete Markus Ferber wird dazu zitiert: „Es wäre besser, die großen Probleme anzupacken, statt Kinder in ihrer Kreativität einzuschränken“ (siehe hier).

Die EU reagierte mit einer Stellungnahme und erklärte, man habe sich auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt, „die bestätigen, dass Blei gerade für Kinder giftiger sei, als man viele Jahre glaubte.“

Die EU bestätigte auch, dass bereits 70 bis 80 Prozent der Malerzeugnisse die strengeren Grenzwerte erfüllen.

Dennoch sei es für das höchstmögliche Schutzniveau für Kinder notwendig gewesen, die Grenzwerte neu festzulegen. Für Buntstifte wurde dieser von 13,5 auf 2 Milligramm Blei pro Kilogramm Spielmaterial gesenkt.

Und der Europäischen Chemikalienagentur zufolge, sei der Durchschnittswert von Blei im Blut europäischer Kinder bereits jetzt viermal höher als das vorgeschlagene Niveau (Quelle).

Blei kann schon in kleinsten Mengen für die Entwicklung des kindlichen Gehirns schädlich sein.

Die strengeren Grenzwerte für Buntstifte sind daher absolut der richtige Schritt. Bedenkt man dazu die mögliche Gesamtbelastung durch Blei (Nahrungsmittel, Wasser, Luft), sind strengere Grenzwerte ein Muss und haben nichts mit Regulierungs-Irrsinn zu tun. Zudem hat der aktuelle Buntstifte-Test gezeigt, dass Blei nicht der einzige bedenkliche Inhaltsstoff in den Malstiften ist.

Die kompletten Ergebnisse zum Buntstifte-Test und den gesamten Artikel könnt ihr im Heft 02/2017 (im Zeitschriftenhandel für 4,50 Euro) oder auf der Homepage von Öko-Test (Bezahlangebot) nachlesen. || Weitere Links und zusätzliche Infos in diesem Artikel gehören nicht zum Test und sind Empehlungen von ElternKindTipps.

Beitragsbild: PublicDomainPictures – Pixabay / Lizenz: Public Domain CC0

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